Das liebe Geld

Zerknitterter Fünfziger

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Im Evangelium war die Rede vom Mammon. Mammon ist ein altes aramäisches Wort, das direkt übersetzt „Vermögen“ oder „Besitz“ bedeutet. Es ist bis in unsere Zeit ein Synonym für Reichtum, Geiz und Habgier. „Geld regiert die Welt!“, heißt ein uns allen geläufiger Ausspruch. Geld ist ein Zahlungsmittel; eine gewisse Menge Geld und ein guter Umgang damit ist wichtig, um den Alltag zu bestreiten; Geld lege ich auf die Seite, um mir für schwierigere Zeiten etwas anzusparen. All das tut jemand, der klug wirtschaftet. Dagegen hat Jesus im Evangelium nichts einzuwenden.

Doch Jesus kritisiert auf harsche Weise, wenn jemand das Geld über alles andere stellt: MEIN Geld, MEIN Gewinn, MEIN Erfolg, usw. „Keiner kann zwei Herren dienen; […] ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Lk 16,13) Dann wird Geld zu einem der Ersatzgötter. Und das tun auch heute in unserer Zeit viele Menschen. Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, bei der es auch ums Geld geht:

Die Geschichte ist in einem Don Bosco Straßenkinderprojekt passiert. Alle Jugendlichen, die dort sind, haben schlimme Lebensgeschichten hinter sich. Es ist für sie nicht leicht, einen neuen Weg im Leben einzuschlagen. Oft sind es zwei Schritte nach vorne und dann wieder ein Schritt zurück.

Die Jugendlichen sind abends wie immer versammelt und der Salesianerdirektor erzählt ein Gute Nacht Wort. Er hält einen Geldschein in die Höhe und fragt: „Wer möchte den haben?“ In Sekundenbruchteilen sind alle Hände in der Höhe und viele rufen „Ich! Ich!“. Da nimmt der Salesianer den Geldschein und zerknüllt und zerdrückt ihn mehrere Male. Dann fragt er nochmal: „Wer möchte den haben?“ Die Antwort ist wieder die gleiche: „Ich! Ich!“ Jetzt wirft er den Geldschein auf den Boden, zieht ihn durch den Dreck und tritt nochmal drauf. Auf die gleiche Frage kommt wieder die gleiche Antwort: „Ich will ihn haben!“

Dann sagt der Salesianerpater: „Meine Lieben! Wisst ihr für wen dieser Geldschein steht?“ Nach einer kurzen Stille fährt er fort: „Der Geldschein steht für jeden einzelnen von uns. Jeder hat einen Wert. Menschen werden geschlagen, weggeworfen, durch den Dreck gezogen und es wird nach ihnen getreten. Und trotzdem: Kein Mensch hat deswegen etwas von seinem Wert verloren. Jeder hat einen Wert. Du hast einen Wert. Jeder ist wertvoll.“

Diese Geschichte begleitet mich schon seit längerem. Der Geldschein mit seinem aufgedruckten Betrag behält für immer seinen Wert. Und so ist es auch mit jedem Menschen. Jeder ist wertvoll. Jeder hat eine Würde. Auch wenn die Würde manchmal von anderen mit Füßen getreten wird; der Wert eines Menschen ist unverlierbar.

Jesus hat im Evangelium noch etwas gesagt: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen.“ Mir fällt da sofort ein Zitat der heiligen Mutter Teresa ein, dem Engel der Armen in Indien: „Do small things with great love“ – „Tut die kleinen Dinge mit großer Liebe“. Ich denke, das können wir alle, egal ob Klein oder Groß, egal ob Kind oder Pensionistin. Die kleinen Dinge, die kennen wir alle: den Tisch decken vor dem Mittagessen am Sonntag; mein Zimmer aufräumen; den anderen so annehmen, wie er ist, auch wenn er gerade einen schlechten Tag hat, und, und, und.

Die heilige Mutter Teresa hat gesagt: „Tut die kleinen Dinge mit großer Liebe.“ Ich würde noch hinzufügen: „und mit einem Lächeln“. Ja, setzen wir das Geld nicht an die erste Stelle. Sehen wir in jedem Mensch den unverlierbaren Wert. Und tun wir die kleinen Dinge mit großer Liebe – und einem Lächeln! Amen.

(25. Sonntag im Jahreskreis C, 22.9.2019, Schülerheim Don Bosco Fulpmes, verwendete Stelle aus der Heiligen Schrift: Lukas 16,10-13)

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