Die Aussaat und die vier Böden – eine alte Geschiche für heute

Bergmesse am Kreuzjoch am 12.7.2020

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Jesus war ein genialer Geschichtenerzähler. Mit Geschichten hat er den Menschen von Gott erzählt und was für ein geglücktes Leben wichtig ist. Beim Hören einer Geschichte entstehen in unserem Kopf Bilder und wir machen uns unsere ganz eigene Vorstellung davon. Solche Bilder im Kopf bleiben oft lange in Erinnerung.

Was könnte die 2000 Jahre alte Geschichte vom Sämann, der den Samen auf vier unterschiedliche Untergründe geworfen hat, für uns bedeuten? Was könnte sie für eine Bedeutung gerade jetzt zum Schulschluss und vor dem Sommerurlaub haben? Viele schauen da auf das vergangene Jahr zurück und überlegen, was alles war, ziehen für sich ein Resümee und machen eine persönliche Bewertung. Die vier Böden aus der Sämann-Geschichte kennen wir aus unserem Leben:

  • Samen auf dem Weg und die Vögel fressen es: Mein Tun hat überhaupt keinen Effekt und kein positives Ergebnis.
  • Samen auf dem Felsen und keine Wurzeln: Ich habe ein kurzzeitiges Glücksgefühl und dann ist alles weg. Es gibt keinen nachhaltigen Effekt.
  • Samen in die Dornen: Es ist viel Widerstand da, das Wachstum ist gehemmt, doch es wächst langsam.
  • Samen auf guten Boden: Es wachsen Früchte – gesund, widerstandsfähig und mit guten Wurzeln.

Die vier Böden kennen wir aus unserem Leben. Wenn Dornen da sind, geben wir manchmal zu schnell auf, obwohl wir wissen, dass es grundsätzlich gut ist. Gegen manchen Widerstand müssen wir ankämpfen. Manche Entscheidungen geben uns ein kurzzeitiges Glücksgefühl, sie sind aber nicht nachhaltig und bringen langfristig keine Früchte. Für den Samen könnten wir vieles einsetzen:

  • Zum Beispiel die Zeit: Wie habe ich in den letzten Monaten meine Zeit „ausgesät“ oder eben verwendet? In welchen Bereichen war es sinnlos und verloren? Wann war es nur ein kurzzeitiges Vergnügen, wann war es schwer und trotzdem richtig? Wann habe ich ein wirkliches Highlight und einen wunderbaren Moment erlebt? Das Nachdenken darüber hilft, in Zukunft anders auszusäen. Weniger dort, wo es sinnlos ist, mehr dort, wo es Früchte bringt – auch wenn es Hindernisse gibt.
  • Für den Samen können wir auch die Sorge um die Mitmenschen und die Nächstenliebe einsetzen. Wann und wo habe ich in der letzten Zeit Nächstenliebe gesät? Vielleicht habe ich in der Coronazeit eine einsame Person angerufen, einem Menschen einen Gefallen getan, auf einen Hilferuf spontan reagiert, usw. Welche Früchte hat mein Einsatz für andere gebracht?
  • Für den Samen können wir auch Hoffnung und Zuversicht einsetzen. Sehe ich bei allen Sorgen und Nöten auch die Hoffnungszeichen? Sehe ich im anderen Menschen zuerst das positive und nicht gleich das negative? Sehe ich die kleinen Pflänzchen, die auf dem guten Boden heranwachsen?

Das Säen ist eine bewusste Entscheidung: Wo säe ich meine wertvolle Zeit, wo meine Nächstenliebe, wo Hoffnung und Zuversicht? Wachstum ist dann aber Geschenk. Es liegt nicht in meiner Hand, ob und wie schnell etwas wächst. Hier kommt Gott ins Spiel. Gott ist der Schöpfer dieser wunderbaren Natur. Er schenkt Leben, er schenkt Wachstum, er will das Beste für jeden von uns. Ihn bitten wir um die Geduld, dass wir Zeiten der Trockenheit und ohne Früchte durchstehen können. Ihn bitten wir um Kraft, manche Widerstände auszuhalten, wenn wir etwas als richtig erkannt haben.

Die Schülerinnen und Schüler haben jetzt neun Wochen Sommerferien vor sich. Jeder von uns freut sich auf eine erholsame Zeit im Sommer. Vielleicht hilft uns das heutige Bild Jesu mit dem Aussäen und den vier Böden. Es ist unsere Entscheidung, wo und wieviel wir aussäen. Zugleich dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott das Beste für mich will und in meinem Leben Wachstum schenkt. Amen.

(12.7.2020, Bergmesse am Kreuzjoch, verwendete Stelle aus der Heiligen Schrift: Matthäus 13,1-9)

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