Über Reisepass und Taufurkunde

Reisepass und Taufurkunde

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Ich habe Jugendlichen die Frage gestellt: „Welches Dokument bestätigt unsere Identität?“ Die Antwort war dann schnell: „Der Reisepass!“ Ich habe ein bisschen recherchiert und gelesen, dass der österreichische Reisepass aktuell auf Platz 4 der wertvollsten Reisepässe ist. Wir dürfen in 190 Länder ohne ein besonderes Visum reisen, wir dürfen uns frei bewegen. Es gibt andere Reisepässe wie der von Afghanistan, mit dem man nur in 27 Länder ohne Probleme reisen darf.

Wir dürfen uns nicht nur unkompliziert in andere Länder reisen, wir müssen auch dankbar und stolz sein, dass wir in einem Land leben, in dem Frieden herrscht, in dem es uns gut geht, in dem die Verwaltung ganz gut funktioniert und wir viele Möglichkeiten der Entfaltung haben. Das ist unser Reisepass, der unsere Zugehörigkeit zu einem Land ausdrückt, für die meisten von uns Österreich.

Dann habe ich die Jugendlichen weitergefragt: „Was bestätigt unsere Identität noch?“ Die Antworten waren dann: „Personalausweis, Geburtsurkunde, Führerschein“. Ich wollte auf etwas anderes hinaus und habe ein bisschen nachgeholfen: „Wir sind ja in der Kirche.“ Und dann hat einer gewusst: „Die Taufurkunde!“

Neben unserem Reisepass ist unsere Taufurkunde für uns Christinnen und Christen ein ebenso wichtiges Dokument. Oft haben wir die Taufurkunde im Dokumentenordner und schauen sie selten bis nie an. Für einen guten Priesterfreund von mir ist die Taufurkunde so wichtig, dass er sie eingerahmt hat und sie prominent in seinem Büro hängt. So sehen alle, die bei ihm auf Besuch sind, seine Taufurkunde. Die Taufe ist das christliche Ursakrament, von der Taufe leitet sich unser ganzes christliches Leben ab. Nur die wenigsten wissen den eigenen Tauftag. Ich habe ihn auch lange nicht gewusst, seit mehreren Jahren weiß ich ihn.

Es ist sehr berührend, wenn bei einer Taufe alle Anwesenden dem Taufkind ein Kreuzlein als Segen auf die Stirn machen. Vor der eigentlichen Taufe sagen die Eltern und die Paten stellvertretend für das Kind ein Nein und drei Jas. Ein Nein zum Satan und allen bösen Kräften, ein Ja zu Gott Vater, ein Ja und Jesus, dem menschgewordenen Sohn Gottes und ein Ja zum Geist Gottes, dem Heiligen Geist.

Auch in unserem Alltag braucht es immer wieder ein mutiges Nein zu Dingen, die nicht dem Geist Gottes entsprechen. Dann können wir ein umso kraftvolleres Ja sagen zu Liebe, Solidarität, Frieden und Gemeinschaft. Das Fest der Taufe Jesu am heutigen Tag soll uns an unsere Taufe erinnern. Ich lade euch alle ein, daheim eure Taufurkunden herauszusuchen. Findet heraus: Wann und wo war meine Taufe?

Die Taufe verbindet uns alle als christliche Gemeinschaft. Die Taufe ist Geschenk und Auftrag zugleich. Durch die Taufe sind wir geliebte Kinder Gottes. Und durch die Taufe haben wir alle den Auftrag, die Liebe Gottes, zu der wir unser Ja gegeben haben, zu leben und weiterzutragen. Dafür gebe uns Gott die nötige Kraft. Amen.

(7.1.2024, Pfarrkirche Fulpmes, Taufe des Herrn, verwendete Stelle aus der Heiligen Schrift: Markus 1,7–11)

Ein Kommentar zu „Über Reisepass und Taufurkunde

  1. Ein sehr schöner Gedanke, den ich seit einigen Jahren zelebriere.
    Mein Tauftag ist der 22.1., der Gedenktag des Seligen Graf Ladislaus Batthyany-Strattmann, den ich seit einigen Jahren als meinen Fürsprecher verehre und vor seinem Relikvienbild im Dom eine Kerze anzünde und bete. An diesem meinen Tauftag besuche ich auch das Grab meiner Patin und zünde als Dank eine Kerze an. Also für mich ist mein Tauftag ein Feiertag, wie jeder Sonntag.

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