Den Jahreswechsel verbrachte ich in Kenia und Tansania. Anlass war ein Besuch bei Markus, Volontär mit VOLONTARIAT bewegt bei Don Bosco in Embu und HTL-Absolvent in Fulpmes. Für mich war es das erste Mal in Afrika. Zusätzlich kannte ich die zwei Salesianer Josephat und Selvam, die mir viel zeigten. Hier meine Lernerfahrungen:
(1) Lebendigkeit und Partizipation im Gottesdienst:
Die Christmette hat 2,5 Stunden gedauert und war keineswegs langweilig. Es gab Elemente, die ich so nicht kannte und sehr geschätzt habe. Vor der Lesung wurde die Heilige Schrift feierlich in einer Prozession gebracht, begleitet durch leicht ins Ohr gehende Gesänge und das Klatschen aller. Eine weitere Prozession war zur Gabenbereitung: Die Leute geben etwas an Gott, das sind Lebensmittel oder Geld. Alle Liedern dauern länger, die Leute klatschen mit, es gibt eine breite Beteiligung aller.
(2) Schwacher Staat für die Anliegen der Menschen:
Von den Menschen habe ich viel Jammern über die Politik gehört. Im Juli 2024 gab es Demonstrationen junger Menschen gegen Korruption, Steuerverschwendung und Arbeitslosigkeit in Nairobi. Deutlich wurde, dass viele Bildungsprogramme ohne finanzielle Hilfe aus dem Ausland nicht laufen würden, obwohl öffentliche Dienste erfüllt werden. Schlechte Straßen und andere fehlende Infrastruktur verstärken die bestehende Chancenungleichheit zwischen arm und reich.
(3) Glaube als Kraft zur Veränderung:
Egal, ob in der Großstadtpfarre in Nairobi-Upperhill oder in der „Outstation“ in Embu, überall war eine große Beteiligung der Menschen spürbar. Die Pfarre wird als wichtiger Sozialort und als gemeinschaftsstiftend wahrgenommen. Es wird deutlich, dass für viele Menschen in der Religion eine große Kraftquelle liegt. Nicht wenige junge Erwachsene denken über einen persönlichen, geistlichen Weg als Priester oder im Orden nach. Bei manchen schwingt sicherlich ein sozialer Aufstieg als Motivation mit.
(4) Viele Menschen wollen Gutes tun:
Hier in Kenia und Tansania bietet der Staat keinen „Rundum-Service“ für alle. Es sind private Initiativen, Vereinigungen und insbesondere auch kirchliche Gruppen, die wesentliche Beiträge für die Gesellschaft leisten: Kindergärten und Schulen, Straßenkinder-Projekte und Internate, Krankenstationen und Erwachsenenbildung. Auch zivile Organisationen wie Rotary stärken durch Projekte das Gemeinwohl.
(5) Jung, voller Chancen und Möglichkeiten:
Es gibt sehr viele junge Menschen und das bestätigt auch die Statistik: In Kenia ist das Durchschnittsalter 20,1 Jahre, in Österreich hingegen 43,4 Jahre (Zahlen von 2023). Deutlich wurde mir, dass Bildung ein Schlüssel für Entwicklung ist. Ein positives Beispiel ist das KIITEC Arusha in Tansania. Dieses Ausbildungszentrum haben französische Ingenieure gegründet und vor einigen Jahren an die Salesianer übergeben. Mit Exzellenz und ambitionierten Zukunftsplänen werden hier junge Menschen ausgebildet – es braucht mehr solche Orte!
(Foto: P. Peter Rinderer SDB mit Elphas, Stanley und Dickson in Embu/Kenia)