Vom Berg: Überblick, Detailblick und Weitblick

Hüttenkopf 2025

Liebe Feiergemeinde am Berg!
Wir sind hier auf dem Gipfel des Hüttenkopfs. Heute ziehen einige Wolken herum und so ist die Fernsicht nicht so wie an einem wolkenlosen Tag. Da könnte man bis zum Bodensee und bis ins Montafon schauen. In meiner Predigt beziehe ich mich auf die Stelle aus dem Hebräerbrief in der Lesung, in der es um das Schauen ging und möchte dabei drei Schritte mit euch gehen: Es geht um Überblick, Detailblick und Weitblick.

(1) Überblick: Wenn eine Frage, eine Problemstellung oder eine Entscheidung da ist, dann gilt es, zuerst sich einen Überblick zu machen. Einen guten Überblick hat man hier vom Berggipfel. Von oben, quasi aus der Vogelperspektive, auf die Orte unseres Lebens zu schauen, ist etwas Besonderes. Um nicht vorschnell zu urteilen, ist so ein Überblick eben ganz wichtig: Wie sind die Zusammenhänge? Warum ist das so? Was spielt da alles hinein? Wer ist beteiligt? Bestimmte Situationen können manchmal ganz komplex sein. Sich da einen Überblick zu verschaffen, tut gut.

(2) Detailblick: Steht eine Entscheidung an, gilt es ganz genau hinzuschauen. Was sind die Vorteile? Was die Nachteile? Was spricht für die Alternative? Gibt es noch ganz andere Möglichkeiten? Wenn ich in einer neuen Situation bin, stelle ich mir immer auch die Frage: „Was würde Jesus jetzt tun?“ Aus den Evangelien wissen wir viel über Jesus, wie er gehandelt hat, was er gesagt hat, was ihm wichtig war. Er hat uns gelehrt und vorgelebt, dass die Liebe das wichtigste Gebot ist: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ und „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“. In der Lesung aus dem Hebräerbrief hat es heute geheißen: „Lasst uns auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens.“ (Hebräerbrief 12,2a) Jede Situation ist anders, es gibt nie ein Patentrezept und niemand kann mir die Entscheidung abnehmen, doch der Blick auf Jesus hilft mir mich zu sortieren und Klarheit zu bekommen.

(3) Weitblick: Vom Gipfel sehen wir ganz weit. Diesen Blick ins Weite verbinde ich mit der Zukunft, mit Träumen und Visionen. Es ist wichtig, dass wir groß träumen und nicht vorschnell sagen: „Das geht nicht“ oder „Das schaffe ich nicht“. Hören wir nicht auf zu träumen, denn in jedem von uns steckt viel Potential, und wenn wir gemeinsam träumen, ist sehr viel möglich. Oft habe ich in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass sich, wenn gar nichts mehr weitergeht, auf wundersame Weise neue Türen geöffnet haben. Im Hebräerbrief hat es geheißen: „Richtet also eure Aufmerksamkeit auf [Jesus].“ (Hebräerbrief 12,3a) Jesus hatte eine Vision vom Reich Gottes und hat Menschen eingeladen, diesen Weg mit ihm zu gehen. Hören wir nicht auf zu träumen, bleiben wir offen für Gottes Wirken in dieser Welt.

Vom Berggipfel haben wir einen besonderen Blick auf die Umgebung. Ich wünsche uns allen: (1) Überblick, um Zusammenhänge gut zu verstehen, (2) Detailblick, um uns zu fragen, was Jesus jetzt tun würde, und (3) Weitblick, um groß zu träumen und uns für eine gute Zukunft einzusetzen. Amen.

(17.8.2025, Hüttenkopf/1976m, verwendete Stelle aus der Heiligen Schrift: Hebräerbrief 12,1-4)