Eine Berg(gipfel)predigt

Bergmesse Eisentälerspitze

Mir sind mehrere Parallelen zwischen einer Bergtour und dem Leben insgesamt aufgefallen. Drei möchte ich heute nennen:

(1) Gemeinschaft: Auf den Berg gehe ich normalerweise nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen. Man hat viel Zeit um miteinander zu reden und sich Erlebnisse zu erzählen. Bei schwierigen Stellen helfen wir uns. Wenn ich einen Weg schon gegangen bin, dann kann ich anderen erzählen: „Da musst du aufpassen!“ Gemeinsam ist viel mehr möglich als alleine.

In der Zeit Jesu war die Sippe und Blutsverwandtschaft besonders wichtig. Jesus hat das überwunden. In der Lesung haben wir gehört, dass es nicht mehr „Griechen und Juden“, „Sklaven und Freie“ (vgl. Kolosser 3,11) gibt. Darum sagt der Priester im Gottesdienst „Schwestern und Brüder im Glauben“. Jesus ruft uns zur Geschwisterlichkeit. Am Berg ist jeder mit jedem per Du. Da kommt es nicht auf Titel und Ansehen an. Wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen, entsteht Gemeinschaft. Gemeinsam ist viel mehr möglich als alleine.

(2) Dankbarkeit: Auf einem Berggipfel zu stehen ist etwas Wunderbares und da kommt bei mir automatisch Staunen und Dankbarkeit. Staunen über die wunderschöne Natur. Staunen darüber, dass in der Natur alles so zusammenspielt. Für mich ist die Natur ein starker Gottesbeweis. Ich denke mir: Das alles kann nicht einfach nur zufällig so entstanden sein – da muss jemand seine Finger im Spiel gehabt haben – und das ist Gott.

Wenn ich am Berggipfel bin, dann ist bei mir eine große Dankbarkeit da. Dankbarkeit für das schöne Fleckchen Erde, wo ich leben darf; Dankbarkeit für meine Familie, für all die Möglichkeiten und Chancen, die ich im Leben habe. Ich denke, wenn jeder von uns kurz nachdenkt, dann finden wir sicher einiges wofür wir dankbar sind. Vieles im Leben ist nicht selbstverständlich. Vieles ist mir geschenkt.

(3) Überblick: Vom Berggipfel können wir hinunterschauen und haben einen guten Überblick. Am Berg bin ich weit weg vom Stress und dem Lärm des Alltags. Symbolisch gesehen kann ich mein Leben von oben und mit einem gewissen Abstand betrachten: Wie geht es mir gerade? Mit was bin ich unzufrieden? Wofür möchte ich meine wertvolle Zeit investieren und wofür nicht?

Sonst passiert es viel zu schnell, dass wir immer mehr und noch mehr wollen: Mehr Geld, mehr Prestige, mehr Likes – und wenn es sein muss auf Kosten anderer! Die Bibel nennt das Habgier. „Hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.“ (Lukas 12,15) Jesus warnt davor, egoistisch nur Schätze für sich zu sammeln, die aber vor Gott keinen großen Wert haben.

Eine Bergtour zu machen ist das beste Gegenrezept gegen Habgier. Warum? Weil ich das, was ich mitnehme, selber tragen muss. Bei allem – egal, ob Essen, Kleidung oder Wanderzubehör – muss ich mich fragen: Brauch ich das wirklich? Ist das wirklich wichtig? Bei einer Bergtour nehme ich nur das Nötigste mit. In den Bergen unterwegs zu sein lehrt mich, mich auf das Wesentliche zu beschränken!

Heute dürfen wir an einem einzigartigen Ort Gottesdienst feiern. Es sind drei Dinge, die ich uns wünsche: (1) dass wir gemeinsam unterwegs sind und nicht alleine, (2) dass wir das Staunen nicht verlieren und dankbare Menschen sind und (3) dass wir uns immer wieder Stille und etwas Abstand schenken, um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Gott segne und beschütze unser Land, unsere schöne Bergwelt und alle Menschen, die hier wohnen. Amen.

(18. Sonntag im Jahreskreis C, 4.8.2019, Eisentälerspitze, verwendete Stellen aus der Heiligen Schrift: Kolosser 3, 1–5.9–11 und Lukas 12,13-21)

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