Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
am vergangenen Freitag hat Papst Leo auf seiner Türkei-Reise einen besonderen Ort besucht: die frühere Stadt Nizäa, heute Iznik mit rund 50.000 Einwohnern, 140km von Istanbul entfernt. Dort fand vor 1.700 Jahren das erste große Konzil statt.
Wer ist Gott? Was verbindet alle Christen? Beim Konzil in Nizäa wurde das erste Glaubensbekenntnis formuliert. Bitte schlagt im Gotteslob bei 586 auf. Dort ist das sogenannte „Große Glaubensbekenntnis“ zu finden, dass wir in der Liturgie eher selten beten. Die Grundfassung entstand 325 beim Konzil im Nizäa und wurde beim Konzil von Konstantinopel 381 präzisiert und erweitert.
(1) Dort, wo das erste Konzil stattfand, wurden vor wenigen Jahren die Überreste einer alten Basilika aus dem 4. Jahrhundert am Grund des Iznik-Sees sichtbar. Daraus ist ein Freilichtmuseum als lebendiges Zeugnis der damaligen Zeit entstanden. Im Jahr 325 haben sich Bischöfe aus dem ganzen Mittelmeerraum getroffen, um zu klären: Wer ist Jesus Christus? Sie bekannten: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott.“ In einer Welt, die sich ständig verändert, in der vieles unsicher wird, haben wir einen Fixpunkt: Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott.
(2) Am Beginn des Advents, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten, wird uns eine Frage neu gestellt: Wer ist Jesus Christus für mich? Der Advent ist mehr als eine romantische Jahreszeit mit Lichterketten und Punsch. Der Advent ist die Zeit der Sehnsucht und der Suche. Im heutigen Evangelium ruft Jesus uns zu: „Haltet euch bereit!“ (Mt 24,44) Wofür bereit? Nicht für Geschenke und Einkaufslisten. Sondern bereit für ihn selbst. Wenn wir auf das Glaubensbekenntnis und das Konzil in Nizäa schauen, dann lautet die Frage für diese Adventzeit: Wer ist Jesus für mich? Einfach ein besonderer Mensch? Oder „Gott von Gott, Licht vom Licht“? Einer, der mein Leben trägt, auch wenn ich selber nicht mehr kann?
(3) Ich möchte drei Sätze aus dem Glaubensbekenntnis herausgreifen:
- „Ich glaube an den einen Gott“: Viele Stimmen prasseln jeden Tag auf uns ein, die uns beeinflussen. Vieles schreit nach Aufmerksamkeit und verschiedene Götzen wollen unsere Gefolgschaft. Woran orientiere ich mich? „Ein Gott“ heißt: Ich habe einen inneren Bezugspunkt. Ich brauche nicht jedem Trend nachzulaufen. Ich darf mich an Gott festmachen, wie an einem sicheren Fundament.
- „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen“: Das ist die zentrale Zusage von Weihnachten: Gott bleibt nicht fern. Gott kommt zu mir. Gerade, dann wenn wir uns überfordert fühlen, sagt uns das: Gott ist uns nahe gekommen. Gott ist da. Er ist hineingeboren in meine Sorgen, in meine Wunden und in meine Hoffnungen.
- „Er wird wiederkommen in Herrlichkeit“: Das klingt für manche weit weg. Doch eigentlich steht dahinter die Hoffnung, die uns trägt. Papst Leo sagte in seiner Ansprache am Freitag, dass die Christen „Zeugen der Hoffnung“ sein sollen. Für mich heißt es: Ich glaube daran, dass die Geschichte nicht im Dunkel endet. Dass Gott nicht unbeteiligt zuschaut, sondern alles in seinen guten Händen hält und zu einem guten Ziel führt.
Bei Jesaja haben wir heute gehört: „Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des HERRN“ (Jes, 2,3). Ein schönes Bild für den Advent: Nicht stehenbleiben, sondern Schritte setzen hin zu Gott. Papst Leo hat es beim ökumenischen Gebetstreffen am Freitag beim archäologischen Areal in Iznik, dem früheren Nizäa, so formuliert: „Im Credo von Nizäa bekennen wir unseren Glauben ‚an den einen Gott, den Vater‘; es wäre jedoch nicht möglich, Gott als Vater anzurufen, wenn wir uns weigern würden, die anderen Männer und Frauen als Brüder und Schwestern anzuerkennen, die ebenfalls nach dem Bild Gottes geschaffen sind.“ Möge diese Adventzeit für uns eine Zeit sein, in der wir Gott näherkommen und Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung sind. Amen.
(30.11.2025, Pfarrkirche Fulpmes, verwendete Stellen aus der Heiligen Schrift: Jesaja 2,1-5, Matthäus 24,37-44, Bild erstellt mit ChatGPT nach einer Vorlage aus Iznik/Türkei)
Glaubensbekenntnis von Nizäa (325):
Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. / Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist; / der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist, Mensch geworden ist, gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist, aufgestiegen ist zum Himmel, kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten; und an den Heiligen Geist.
Großes oder Nizäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. / Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. / Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. / Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden. / ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift / und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters / und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. / Ich glaube an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, / und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. / Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. / Ich erwarte die Auferstehung der Toten / und das Leben der kommenden Welt. / Amen.