Bereitet den Weg des Herrn – damals und heute

Piste, Berge und Sonnenschein (made with Canva AI)

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
„Bereitet den Weg des Herrn!“ (Mt 3,3), war der Ruf des Johannes im heutigen Evangelium. Ich habe darüber nachgedacht, wer denn in unserer Zeit solche „Wegebauer“ sind? Mir sind dann mehrere Beispiele eingefallen. Da ist einmal der Straßenbau. Bauarbeiter bauen Asphaltstraßen, damit die Menschen möglichst schnell und sicher von Punkt A nach B kommen. Dann gibt es die Pistenarbeiter in den Schigebieten, die in der Schisaison Tag für Tag die Pisten neu herrichten, damit alle Schibegeisterten mit Spaß und Sicherheit diesen Sport ausüben können. Dann gibt es die Wegemacherteams des Alpenvereins, die die Wanderwege in den Bergen herrichten, wenn das Wetter manches zerstört hat. Mir sind auch die Räumungsdienste eingefallen. Menschen machen in aller Früh die Straßen vom Schnee frei, damit wir mobil bleiben können. Das alles sind moderne Wegbereiter.

„Bereitet den Weg des Herrn!“ haben wir im Evangelium gehört. Der Wegbereiter ist dort Johannes der Täufer. Er war laut den biblischen Erzählungen nur wenige Monate älter als Jesus, war sicherlich wortgewaltig und viele Menschen kamen zu ihm. Er nahm sich selber aber nicht besonders wichtig, sondern zeigte auf einen anderen: „Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich“ (Mt 3,11). Und damit meint er Jesus.

Wir sind im Advent, der Vorbereitungszeit auf das Geburtsfest Jesu zu Weihnachten. Wir können uns da die Frage stellen: Wer sind auf meinem Lebensweg Wegbereiterinnen und Wegbereiter zu Jesus gewesen? Oft ist es authentische Menschen aus der eigenen Familie, die den Glauben vorgelebt haben, vielleicht auch der Pfarrer oder die Religionslehrerin. Solche Wegbereiterinnen und Wegbereiter zu Jesus können auch Heilige sein, wie z.B. der heilige Don Bosco. Biblische Wegbereiter zu Jesus sind seine Mutter Maria – „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38) – und Johannes der Täufer – „Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich“ (Mt 3,11).

Johannes spricht von der Umkehr, auf Griechisch „metanoia“, was wörtlich übersetzt „Neu denken“ oder „Umdenken“ bedeutet. Johannes lädt uns ein, neu auf unseren inneren Kompass zu schauen. Wohin führt die Straße meines Lebens? Braucht es da eine Neuausrichtung? Neben der Frage „Wer sind für mich Wegbereiterinnen und Wegbereiter zu Jesus?“ ist für uns Getaufte noch eine zweite wichtig: Wie kann ich ein Wegbereiter, eine Wegbereiterin zu Jesus für andere sein? Ich denke wir tun dies, indem wir es Johannes dem Täufer gleichtun, uns selbst nicht so wichtig nehmen, und unser Leben als Dienst, als Geschenk für andere verstehen. Indem wir unsere Talente nicht für uns behalten, sondern großzügig teilen.

Wege müssen frei sein, um auf ihnen gehen zu können, egal ob Straßen, Pisten oder Wanderwege. Es braucht auch die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Menschen. Lasst uns – wie Johannes der Täufer – diesen Weg immer wieder neu beschreiten, und helfen wir anderen, die Verbindung zum Himmel zu finden. Amen.

(7.12.2025, Kapelle im Schülerheim Fulpmes, verwendete Stelle aus der Heiligen Schrift: Matthäus 3,1–12, Bild erstellt mit Canva AI)