Fernsehgottesdienst: Jesus, unsere Tür

Fernsehmesse aus Schönberg, 26. April 2026

Liebe Mitfeiernde!
Wir haben im Evangelium vom Hirten, von Schafen, von Räubern und von einer Tür gehört. Der Text aus dem Johannesevangelium gipfelt in der Aussage Jesu: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Johannes 10,9). Was könnte diese Aussage „Ich bin die Tür“ bedeuten?

Wir alle gehen jeden Tag durch viele Türen. Die Haustür am Morgen, die Tür zur Arbeit oder die Tür zu einem Besuch. Türen gehören selbstverständlich zu unserem Leben, wir denken kaum über sie nach. Und doch sind Türen wichtig, denn sie haben zwei wichtige Aufgaben: (1) Einerseits gibt eine geschlossene Tür Schutz: Dann bleiben Lärm und Kälte draußen und niemand Ungebetenes kommt herein. (2) Andererseits gibt eine offene Tür neue Chancen: Wer durch eine Tür hindurchgeht, betritt neues Gebiet – vielleicht unbekannt, aber voller Möglichkeiten.

Eine Tür steht also für Schutz und Geborgenheit, und zugleich auch für Aufbruch und Weite. Beides brauchen wir Menschen. Wenn wir auf unseren Lebensweg schauen, dann stehen wir immer wieder vor einer Wahl. Es ist wie mit Türen, vor denen wir stehen: Bleibe ich? Oder gehe ich hindurch? Und wenn ich mehrere Möglichkeiten habe: Durch welche Tür gehe ich?

Liebe Mitfeiernde! Es bleibt die Frage, warum Jesus das Bild der Tür verwendet. Überraschend ist, dass Jesus nicht sagt: „Ich zeige euch eine Tür.“ Sondern er sagt: „Ich bin die Tür“ (Johannes 10,7b). Was könnte er damit meinen? Jesus möchte uns Sicherheit geben: Durch sein Leben hat Jesus uns gezeigt, was Gottes Traum für diese Welt ist: Gott ehren, den Nächsten lieben, die Welt gestalten. Durch seine Liebe und Hingabe bis zum letzten Atemzug und durch seine Auferstehung hat er uns gezeigt: Das letzte Wort hat nie der Hass, sondern die Liebe. Das letzte Wort hat nie der Tod, sondern das Leben.

Zugleich ist Jesus mutig durch viele Türen gegangen. Er hat Menschen am Rand der Gesellschaft eine neue Würde gegeben. Er hat Menschen im Leid Heil geschenkt. Er hat betont und vorgelebt, dass Gebote dem Menschen zu dienen haben und nicht umgekehrt. Er hat die Liebe als das zentrale Gebot in den Mittelpunkt gestellt.

Wenn wir so auf Jesus schauen, dann kann er für uns zu einer Tür werden. In den Höhen und Tiefen unseres Lebens, in Freude und Angst, kann Jesus eine Stütze für uns sein. Jesus verspricht uns „Leben in Fülle“ (vgl. Johannes 10,10). Das heißt nicht, alles besitzen oder erfolgreich sein zu müssen, sondern ein Leben mit Sinn, mit Hoffnung und mit einem Herzen, das lieben kann.

Leben in Fülle geschieht nicht allein, sondern im Miteinander. Wir feiern gemeinsam Gottesdienst und bilden eine kirchliche Gemeinschaft. Auch als Gemeinschaft brauchen wir die Doppelfunktion der Tür: uns gegenseitig Sicherheit geben und mutig durch jene Türen gehen, die dem Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft dienen.

Liebe Mitfeiernde! Vielleicht stehen manche von uns gerade vor einer verschlossenen Tür: Da ist eine große Sorge, eine schwere Entscheidung oder die unklare Zukunft. Dann dürfen wir heute dieses Wort Jesu hören: „Ich bin die Tür.“ Das heißt: Es gibt mehr Möglichkeiten, als ich gerade sehe.

Und vielleicht sind andere heute eingeladen, selbst für jemanden eine Tür zu sein: Indem ich einem anderen Menschen Schutz gebe oder Mut mache. Jesus stellt sich uns heute vor als unsere Tür. Bei ihm finden wir Halt. Durch ihn finden wir neue Wege. Amen.

Fernsehgottesdienst abrufbar auf ON.ORF.AT…

(26.4.2026, Pfarrkirche Schönberg, verwendete Stelle aus der Heiligen Schrift: Johannes 10,1-10)

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