Eine Schifahr-Predigt

(6. Sonntag im Jahreskreis A)

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Wir haben eine wunderbare Schiwoche in Ost- und Südtirol verbracht. Pulverschnee, Natur, Berge, Sonne, Spaß, gute Gespräche, gemeinsames Beten – alles ist dabei gewesen. Die Texte aus der heiligen Schrift drehen sich heute um das Thema der Gebote. Welche Bedeutung haben Gebote in unserem Leben? Will uns Gott mit seinen Gesetzen drohen? Oder vielmehr die Richtung zu einem geglückten Leben zeigen?

Pater Hans hat mich gebeten zu erzählen, was das Wort Gottes für mich bedeutet und was es in meinem Leben bewirkt hat. Das tue ich sehr gerne. Ich bin ein begeisterter Schifahrer und möchte heute anhand von Bildern aus der Schiwelt davon erzählen.

Stellen wir uns vor, wir stehen an der Bergstation, die Schi angeschnallt und bereit zum losfahren. Doch davor wandert unser Blick noch in alle Himmelsrichtungen in dieser traumhaften Bergkulisse. Für mich steht die Sonne für Gott. Sie ist immer da. Auch wenn es bewölkt oder neblig ist, spendet die Sonne Licht. So ist es auch im Leben: Nicht immer ist Gott direkt wahrnehmbar. Manchmal spüre ich ihn nicht – und er ist doch da.

Für mich steht die Piste für die Gemeinschaft der Gläubigen, für die Kirche. Es gibt viele Möglichkeiten sich auf der Piste fortzubewegen. Einige schnell, andere langsam, jemand liegt im Schnee. Zusammen bilden sie eine Gemeinschaft, die in die gleiche Richtung unterwegs ist.

Am Pistenrand stehen Schutzzäune an steil abfallenden Stellen und viele Hinweis- und Richtungsschilder. Die Schilder und Zäune stehen für die Gebote Gottes. Sie zeigen uns den Weg und warnen vor gefährlichen Stellen. Um auf der Piste des Lebens voranzukommen, helfen uns die Gebote Gottes. Jesus nimmt die reiche jüdische Tradition an Geboten auf und akzentuiert sie mit seinem Leben:

  • Liebe: Jesus sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (vgl. Mk 12,31);
  • Freude: Weil Jesus durch alles Leid gegangen ist und zu neuem Leben auferstanden ist, kann Paulus sagen: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“ (vgl. Phil 4,4);
  • offene Augen: Weil Jesus aktiv auf Ausgeschlossene zugegangen ist und geholfen hat;
  • oder Treue und Geduld.

Von meinem Lebens- und Glaubensweg möchte ich auch mit Bildern des Schifahrens erzählen. (1) Geburt und Kindheit waren für mich wie eine große, breite Piste. Ich bin in einer wunderbaren Familie mit zwei Brüdern aufgewachsen und habe gute Ausbildungsmöglichkeiten bekommen. Nach dem Besuch der Sporthauptschule war ich auf einer HTL für Elektronik und träumte davon, später ein Software-Startup zu gründen.

(2) Ein schwarze Piste war das einjährige Volontariat direkt nach der Matura. Ich war in einem Jugendzentrum der Salesianer Don Boscos in Tijuana/Mexiko tätig. In den vielen Herausforderungen habe ich entdeckt, was alles in mir steckt. In diesem Jahr bin ich mutiger und weitsichtiger geworden. Immer klarer wurde mir, dass ich Salesianer und Priester werden und mit meinem Leben besonders für Kinder und Jugendliche da sein möchte.

(3) Ein Schitrainingslager war das Noviziatsjahr in Italien. Nach dieser intensiven Zeit des Lernens, Ringens und Reifens legte ich 2009 das erste Versprechen als Salesianer Don Boscos ab. (4) Übung, Übung und nochmals Übung ist das Wichtigste für jeden, der ein Meister werden will. Ich habe Theologie, Soziale Arbeit, Sozialmanagement und Journalismus studiert um meine Talente weiterzuentwickeln. Immer war ich auch in der Jugendarbeit aktiv und habe junge Menschen begleitet. (5) Ebenso wichtig ist die Ernährung – für mich das tägliche Gebet: Ich nehme mir Zeit für Gott und bin lobend, bittend und dankend bei ihm. Aus dieser täglich sich erneuernden Beziehung mit Gott schöpfe ich viel Kraft.

(6) Ich bin bald ein fertig ausgebildeter Schitrainer. Als Diakon und Priester möchte ich andere auf den Pisten des Lebens begleiten und ihnen von der Sonne, die Gott ist, erzählen, denn er ist es, der alles Leben ermöglicht. Ebenso möchte ich auch die Pisten verlassen und im Tiefschnee Menschen unterstützen, die feststecken.

Liebe Schwestern und Brüder! Abschließen möchte ich meine Schifahr-Predigt mit drei Wünschen:

  1. An die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schiwoche: Ich wünsche euch, dass ihr nach dieser Urlaubswoche wieder gut zurückkehrt auf die Pisten des Lebens – mit viel Liebe, Freude, offenen Augen und Geduld.
  2. An alle Anwesenden: Bitte betet für mich, dass ich als Diakon und Priester ein guter Begleitung für andere auf den Pisten des Lebens sein kann.
  3. Ich wünsche euch, dass ihr die Gebote Gottes als Hinweisschilder und Schutzzäune sehen könnt, die Jesus uns schenkt. Gott wünscht sich für jeden und jede ein gutes und geglücktes Leben.

Amen.

Bibelstellen:

  • Sir 15,15-20: „Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften“
  • 1 Kor 2,6-10: „Wir verkündigen die Weisheit, die Gott vorausbestimmt hat“
  • Mt 5,17-37: „Wer die Gebote hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich“