Über den Willen Gottes: „Primero Dios“

Verabschiedung in Mexiko im Juli 2007

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Mittlerweile ist es schon 14 Jahre her, dass ich meinen Auslandszivildienst in Mexiko in einem Don Bosco Jugendzentrum gemacht habe. Das Jahr hat mich als Mensch sehr geprägt, das Jahr war entscheidend für meine Entscheidung Salesianer und Priester zu werden und manche Begegnungen und Ereignisse sind mir noch in Erinnerung, als ob es gestern gewesen wäre. Etwas, was ich nie vergessen habe, ist folgendes. Wenn wir in einer Arbeitsgruppe gemeinsam etwas geplant haben, uns verabschiedeten und den nächsten Schritt oder ein nächstes Treffen vereinbart haben, dann hörte ich oft: „Primero Dios“, was wörtlich übersetzt heißt „Gott zuerst“. Das „Primero Dios“ drückt ein tiefes Vertrauen auf Gott aus. Es bedeutet so viel wie: „Wenn Gott es gutheißt und es uns ermöglicht, ja, dann machen wir da weiter!“. Ähnlich wie das „Primero Dios“ ist der Ausspruch „So Gott will“, den manche Menschen bei uns sagen. „Primero Dios“ und „So Gott will“: Beides drückt ein Hinhören auf Gott und ein vertrauensvolles Ausrichten des eigenen Lebens am Willen Gottes aus.

Um den Willen Gottes ging es im heutigen Evangelium. Wir sind im 16. Kapitel des Matthäusevangeliums und die Jünger haben mit Jesus schon einiges Wundersames erlebt. Petrus hat – das haben wir letzten Sonntag gehört – direkt davor ausgesprochen, was für alle Jünger klar war: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Matthäus 16,16)
Und jetzt erzählt Jesus seinen Freunden zum ersten Mal, dass er wird leiden müssen, dass andere ihn töten werden – und, dass er „auferweckt werden“ (Matthäus 16,21) wird.

Für die Jünger muss eine Welt zusammengebrochen sein, sie verstehen das nicht: Ihr großer Lehrmeister wird bald sterben – das kann nicht sein! Petrus ist wiederum das Sprachrohr der Jünger und sagt: „Das darf nicht mit dir geschehen!“ (Matthäus 16,22)

Jesus spricht anschließend vom Kreuz, das jeder, der ihm nachfolgen will, zu tragen habe. Wir sagen in Gesprächen manchmal: „Diese Person muss wirklich ein schweres Kreuz tragen.“ Wir stellen mit dieser Metapher eine Verbindung zu Jesus her. Ja, auch in unserer Zeit gibt es viel Leid. Manches ist menschengemacht, anderes ist einfach tragisch und wir wissen keine Begründung. Jeder von uns hat auf irgendeine Art und Weise ein Kreuz zu tragen. Das heutige Evangelium und der weitere Weg Jesu sagen uns: Auch Jesus kennt Leid und Kreuz. Er selber ist diesen Weg gegangen. Er ist uns in den schwierigsten Momenten ganz nah!

Petrus hätte am liebsten gehabt, dass die Jünger mit Jesus noch viele schöne Jahre verbringen und eine feine Zeit miteinander haben. Der Weg Jesu, der Wille Gottes, war ein anderer. Jesus antwortet Petrus ziemlich schroff: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Matthäus 16,23)

Jesus sagt damit: Wir sind hier in dieser Welt noch nicht am Ziel unseres Weges. Das Ziel haben wir erreicht, wenn wir endgültig bei Gott sind. Hier in dieser Welt hat jeder ein Kreuz zu tragen. Doch seid euch sicher – ich bin mit euch, besonders in euren schwierigsten Momenten. Jesus möchte uns auch sagen: Lebt euer Leben, so wie es Gott gefällt, voller Liebe und Demut. Habt einen wachen Blick für die Mitmenschen und die Natur. Helft einander! Hört genau hin, um den Willen Gottes für euer Leben zu verstehen. Und geht mutig weiter!

In jedem „Vater unser“ beten wir: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.“ Gottes Wille der Liebe und Rücksichtnahme und des Friedens soll hier auf Erden sichtbar und erfahrbar sein. Ich lade euch ein, über diesen Willen Gottes auch nach diesem Gottesdienst noch ein bisschen nachzudenken. Wie nehme ich den Willen Gottes für mein Leben wahr? Spüre ich ein leises Anklopfen Gottes, um in manchen Situationen anders zu reagieren? Oder um in einem bestimmten Bereich eine Entscheidung zu treffen? Wir dürfen sicher sein: der Wille Gottes will uns in unserem Leben nicht einengen, sondern ein „Leben in Fülle“ (Johannes 10,10) ermöglichen.

„Primero Dios“, mit diesem Ausspruch aus Mexiko habe ich begonnen. Ich wünsche uns allen, dass wir in dieser Verbundenheit und in diesem Vertrauen auf Gott leben. Ein Kreuz hat jeder von uns zu tragen, doch wir dürfen uns sicher sein: Jesus geht den Weg mit uns. Amen.

(30.8.2020, Pfarrkirche Fulpmes, verwendete Stelle aus der Heiligen Schrift: Matthäus 16,21-27, Foto: Im Oratorio Maria Auxiliadora in Tijuana 2007)

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