Drei Verkehrszeichen – ein Impuls in der Fastenzeit

Die 40-tägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest ist eine Einladung, bewusst auf das eigene Leben zu schauen und mich neu auszurichten. Jesus nennt das „Umkehr“. Es gibt im Leben Bereiche, in denen ich hinter dem eigenen Wunsch oder dem Traum Gottes für mein Leben zurückbleibe. Mit drei Symbolen aus unserem Alltag will ich Impulse dazu geben. Es sind drei Verkehrszeichen:

(1) Verkehrszeichen „Gefährliche Kurven“: Jeder von uns hat das sicherlich schon erlebt: Ich habe einen bestimmten Weg im Kopf, um ein Ziel zu erreichen. Zwischendurch merke ich: Das geht nicht! Ich muss einen Umweg nehmen. Umwege gehören zum Leben dazu. Nie geht das Leben einfach geradeaus wie eine Autobahn. Da sind immer Kurven und Umwege.

Das Entscheidende ist, das ich mein größeres Ziel nicht aus den Augen verliere. Dann ist ein Umweg halb so schlimm, denn die Zielrichtung insgesamt stimmt ja. Wichtig ist auch auf Sicht zu fahren. Mit dem Auto fahren wir manche Strecken oft und kennen sie schon auswendig. Im Leben gehen wir keinen Weg zwei Mal, und doch sammeln wir Erfahrungen, die uns helfen. Nicht die Geschwindigkeit ist das Entscheidende, sondern dass ich sicher am Weg bleibe und dem Ziel näherkomme – immer voran, wenn nötig in ganz kleinen Schritten.

Dieses Schild „Gefährliche Kurven“ steht für mich einerseits für den Fokus auf das Ziel: Wohin möchte ich? Was ist mir am wichtigsten? Und dann auch die Gelassenheit, dass es nicht immer auf dem kürzesten Weg klappt. Das Leben bringt manche Umwege, die es anzunehmen gilt.

(2) Verkehrszeichen „Vorrang geben“: Dieses Schild ist bei Kreuzungen und an gefährlichen Stellen ganz wichtig: langsamer werden, in alle Richtungen schauen und erst weiterfahren, wenn die Kreuzung frei ist. In manchen Situationen habe ich Vorrang, in anderen Situationen überlasse ich dem anderen den Vorrang.

Vorrang geben, das heißt Rücksicht nehmen auf den anderen. Vorrang geben, das heißt achtsam und rücksichtsvoll zu sein. Vorrang geben, das heißt in manchen Situationen die eigenen Interessen zurückzustellen. Das ist nicht nur im Straßenverkehr zur Unfallvermeidung wichtig, sondern in allen Situationen des Lebens. Ich beobachte genau, was um mich passiert. Ich nehme wahr, wem ich den Vortritt lassen oder den Weg freihalten soll. Ich bin mit viel Aufmerksamkeit für die Mitmenschen unterwegs und reagiere entsprechend.

Wir kennen alle Menschen, die im Alltag anderen oft den Vorrang geben. Ein gutes Beispiel dafür sind für mich die Mütter und Väter, die ihren Kindern viel ermöglichen und dafür oft die eigenen Interessen zurückstellen. Für ein gutes Miteinander braucht es ganz viele solcher Menschen.

(3) Verkehrszeichen „Freie Fahrt“: Das dritte Verkehrszeichen kommt vielleicht etwas unerwartet. Bei „Freie Fahrt“ gelten keine Geschwindigkeitsbeschränkungen mehr und ich habe die volle Freiheit. Dieses Schild steht für mich für Freiheit – frei zu sein und ein gutes Leben zu führen. Im Straßenverkehr wie im normalen Leben gibt es äußere Regeln und Verbote und gegebenenfalls kleinere und größere Strafen. Das eine ist, sich entsprechend zu verhalten, wenn ich durch äußere Regeln dazu gezwungen werde.

Eine reife Person ist nicht von äußeren Regeln abhängig, sondern weiß, was das Bestmögliche ist und tut es in aller Freiheit. Es braucht einen inneren Kompass, der uns bei Entscheidungen leitet. Für Jesus ist dieser innere Kompass die Liebe: zu Gott, zu den Mitmenschen und zu mir selbst.

(Verfasst für die Fastenzeit 2022)