Berge lehren uns Dankbarkeit, Gemeinschaft und Gelassenheit

Bergmesse am Seefelder Joch, Juni 2022

Liebe Feiergemeinde hier am Berg!
Wir feiern Gottesdienst an einem besonderen Ort mit Sonnenschein und einem wunderbaren Rundumblick. Viele Menschen machen hier bei uns Urlaub, weil sie diese Natur lieben und hier neue Kraft tanken können. Auch wir Einheimische gehen gerne in die Berge für eine Auszeit, die gut tut. Ich habe mir die Frage gestellt: Was lehren uns eigentlich die Berge? Als Antwort darauf sind mir Dankbarkeit, Gemeinschaft und Gelassenheit eingefallen und ich möchte das kurz erklären:

(1) Dankbarkeit: Auf einem Berggipfel zu stehen ist etwas Wunderbares und da kommt bei mir automatisch Staunen: Ich staune über die wunderschöne Natur. Ich staune darüber, dass in der Natur alles so zusammenspielt. Für mich ist die Natur ein starker Gottesbeweis. Ich denke mir: Das alles kann nicht einfach nur zufällig entstanden sein – da muss jemand seine Finger im Spiel gehabt haben – und das ist Gott.

Wenn ich in den Bergen bin, dann ist bei mir eine große Dankbarkeit da. Dankbarkeit für das schöne Fleckchen Erde, wo wir leben dürfen; Dankbarkeit für Familie und Freunde, für all die Möglichkeiten und Chancen, die wir im Leben haben. Wenn jeder von uns kurz nachdenkt, dann finden wir sicher einiges, wofür wir einfach dankbar sind. Vieles im Leben ist nicht selbstverständlich, vieles ist uns geschenkt.

(2) Gemeinschaft: Auf den Berg gehen wir normalerweise nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen. Man hat viel Zeit, um miteinander zu reden und sich Erlebnisse zu erzählen. Bei schwierigen Stellen helfen wir uns.

In der Zeit Jesu war die Sippe und Blutsverwandtschaft besonders wichtig. Jesus hat das überwunden. In der Lesung haben wir gehört, dass es nicht mehr „Juden und Griechen“, „Sklaven und Freie“ gibt. Dort heißt es: „Denn ihr alle seid einer“ (vgl. Galater 3,28). Jesus ruft uns zur Gemeinschaft.

Es gibt ja den Spruch, dass man in den Bergen mit jedem per Du ist. Am Berg kommt es nicht auf Titel und Ansehen an. Wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen, entsteht Gemeinschaft. Gemeinsam ist viel mehr möglich als alleine.

(3) Gelassenheit: Auf eine Bergtour gehen wir normalerweise mit einem Rucksack. Darin ist alles Wichtige, zum Beispiel eine Trinkflasche, eine Jacke und ein Erste-Hilfe-Set. Zugleich schauen wir, dass der Rucksack so leicht wie möglich bleibt. So wie wir einen Rucksack am Berg dabeihaben, so tragen wir im Alltag im symbolischen Sinn einen Rucksack mit Sorgen über Vergangenes und die Zukunft.

Im heutigen Evangelium sagt Jesus: „Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, muss Tag für Tag sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen.“ (Gute Nachricht Bibel; Lk 9,23) Auf den ersten Blick klingt das anstrengend: die eigenen Wünsche aufgeben und ein Kreuz tragen. Auf den zweiten Blick lässt es sich auch anders lesen: Ein Kreuz – oder einen Rucksack – zu tragen haben wir alle. Wichtig ist, nicht die Sorgen von gestern und morgen mit uns herumzutragen, sondern nur von heute: im Hier und Jetzt zu leben, mit allem Schönen und Schweren. Dafür braucht es Gelassenheit.

Heute dürfen wir an einem einzigartigen Ort Gottesdienst feiern. Es sind drei Dinge, die ich uns wünsche: (1) dass wir der Dankbarkeit in uns Raum geben, (2) dass wir gemeinsam unterwegs sind und nicht alleine und (3) Gelassenheit, damit wir nicht einen zu schweren Rucksack mit uns herumtragen, der uns niederdrückt. Gott segne und beschütze unser Land, unsere schöne Bergwelt und alle Menschen, die hier Urlaub machen und hier wohnen. Amen.

(19.6.2022, Bergmesse am Seefelder Joch, verwendete Stellen aus der Heiligen Schrift: Galater 3, 26–29 und Lukas 9, 18-24)

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